Neujahrsbegegnung 2012 in München

23.Januar 2012 - 16:11:26 Uhr
Am 21. Januar fand im Pfarrsaal St. Maximilian in München die Neujahrsbegegnung 2012 der KEG Oberbayern statt. Die Bezirks- und Landesvorsitzende, Ursula Lay, konnte zahlreiche Ehrengäste aus Schulverwaltung, Politik und Kirche begrüßen. Für das Festreferat konnte der Stadtpfarrer der Pfarrei St. Maximilian, Herr Rainer Maria Schießler gewonnen werden. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Trio Primo.
In ihrer Begrüßungsansprache dankte Ursula Lay allen Aktiven in der KEG für deren ehrenamtliche Tätigkeit. Sie verwies dabei auch auf die vielfältigen Themen, die zu bearbeiten seien. Angefangen von den Diskussionen um die Schulstruktur über Elternarbeit bis hin zur frühkindlichen Erziehung, zu Besoldungspolitik und Inklusion. Bei all diesen Themen, so betonte die Bezirks- und Landesvorsitzende, müsse immer das Wohl der Kinder im Vordergrund stehen. Daher sei für die KEG in Bezug auf die Debatte um die Ausgestaltung des Schulsystems die jeweilige Struktur zweitrangig. Entscheidend, so Ursula Lay, sei die Qualität des Unterrichts. Zudem dürften die „20 Prozent der problematischen Schüler“ bei den Diskussionen um die Schulstruktur nicht vergessen werden. Gerade sie brauchen Hilfe und Unterstützung. Die KEG setze sich vehement für optimale Lernbedingungen für die Schüler und optimale Lehrbedingungen für die Lehrer ein, so die Schlussworte der Bezirksvorsitzenden.
Als Vertreter von Herrn Oberbürgermeister Christian Ude sprach Stadtrat Christian Müller ein kurzes Grußwort, in dem er den Mitgliedern KEG Oberbayern für ihr erzieherisches Wirken dankte. Außerdem mahnte er eine bessere Anerkennung für erzieherische Berufe an. Die finanzpolitischen Aussichten, so Christian Müller, stimmen allerdings nicht sehr optimistisch im Hinblick auf eine bessere Bezahlung für Berufe im sozialen Bereich. Diese wäre aber mehr als angebracht, auch im Hinblick auf die sich verändernden Ansprüche an die Beschäftigten in erzieherischen Berufen seitens der Eltern und der Gesellschaft.
Der langjährige Vorsitzende des Bezirkspersonalrates bei der Regierung von Oberbayern Hans-Peter Leitner dankte der KEG in seiner kurzen Abschiedsrede für die langjährige gute Zusammenarbeit, die von gegenseitiger Anerkennung und großem Respekt geprägt gewesen sei. Neben Erinnerungen an persönliche Begegnungen mit Vertretern der KEG in verschiedenen Funktionen blickte der ehemalige Vorsitzende des Bezirkspersonalrats auch auf die Entwicklungen in der Schullandschaft zurück.
So bedauerte er, dass die Grundschule zu einer reinen 
Übertrittsvorbereitungsschule geworden sei und in der gleichen Zeit die Hauptschule ihre Funktion als „Volksschule“ verloren habe. Diese erfülle nun in den Ballungsgebieten das Gymnasium und im ländlichen Raum die Realschule. Was die Zukunft anbelange so hoffe er, dass mit der Einführung des neuen Grundschullehrplans eine Rückführung des Notenwahns ermöglicht werde.
Das Festreferat von Pfarrer Schießler hatte das Thema „ Religionsunterricht für heute – weder schnöde Sachkunde noch angsterfüllte Morallehre! Wie wäre es zur Abwechslung mal wieder mit Verkündigung?“ Für den Referenten steht außer Frage, dass es Religionsunterricht geben müsse.
Allerdings dürfe Religionsunterricht nicht
nur in der Schule präsent sein. Religionsunterricht sei keine halbe Sache, denn ein Leben im Glauben ist Verkündigung und damit eben auch Religionsunterricht. Daher stünden wir Erwachsenen in besonderer Verantwortung, da wir, so Pfarrer Schießler, unseren Kindern Lebensvorlagen anbieten müssten, die diese dann annehmen könnten oder eben nicht. Auf keinen Fall aber dürfte man Kinder und Jugendliche mit Gewalt in die eine oder andere Richtung zwingen. Das bedeute aber nicht, die Kinder einfach laufen zu lassen. Diese hätten ein Recht darauf von uns Erwachsenen durch das Leben begleitet zu werden. 
„Wir sind unseren Kindern unser Gesicht schuldig!“, schrieb Pfarrer Schießler den aufmerksamen Zuhörern ins Stammbuch. Religion sei aber kein Erziehungsmittel, dafür sei sie zu schade. Glaube könne nicht
 befohlen werden, Glaube ist ein Geschenk, so der Referent. „Nehmen wir unseren Kindern nicht die Freiheit zu glauben, indem wir ihnen den Glauben nicht erklären. Wir müssen den Kindern die Chance geben den Glauben als eine Schatztruhe zu erkennen, die einem in allen Lebenslagen zur Verfügung steht.“, legte Pfarrer Schießler eindrucksvoll dar. Diese Erkenntnis sei gegenwärtig jedoch schwer zu vermitteln, da die heutige Zeit nicht mehr religiös geprägt sei. Allerdings verfiel der Referent nicht in ein Lamento über die säkularisierte Welt,
sondern rief den Zuhörern mit seinem ansteckenden Optimismus zu: „Dann müssen wir uns eben etwas einfallen lassen und neue Wege gehen!“ Wenn Traditionen wegbrächen, so sei das immer auch ein Abbruch, was einigen auch Angst mache. Manche gewohnten und früher übliche Gelegenheiten für Kinder, in den Glauben hineinzuwachsen fielen heute weg, da seien wir Erwachsene gefordert, unseren Kindern Beispiel zu geben. „Ich muss erst wissen, woher ich komme, dann erst kann ich mich mit der Zukunft auseinandersetzen!“ Junge Leute sind also darauf angewiesen, uns Erwachsene zu „sehen“, wenn sie nach Orientierung suchen. Junge Leute haben aber auch ein Recht auf einen Umweg, betonte Pfarrer Schießler, der von den Zuhörern mit einem lang anhaltenden Beifall für sein Referat belohnt wurde.


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